Glaukom die 2.

 Oder auch: Der Tag an dem Aiko´s Welt dunkel wurde

Als ich am Donnerstag, den 9.5.13 aufstand und Aiko sah, traf mich der Schlag. Sie lag auf ihrem Sessel, kniff ihr noch verbleibendes Auge zu, hob dabei den Kopf und bewegte sich nicht. Ich sprach sie an, ging zu ihr, fasste sie an und sie schrak zurück- sie sah meine Hand nicht kommen. Kein gutes Zeichen. Ich wusste sie hat wieder höllische Schmerzen. Schliesslich haben wir schon mehrere Glaukomanfälle mit dem bereits entfernten Auge erlebt. Aufgelöst rief ich in der Tierklinik an- es war natürlich, wie immer wenn ein Notfall eintritt, Feiertag. Dennoch hatte die Klinik Gott sei Dank Sprechstunde- und das beste: unsere Tierärztin die zudem Fachärztin für Augenheilkunde ist und Aiko seit dem 1. Glaukomanfall behandelt, hatte Dienst. Also Hund vom Sessel gehoben, schnell Pippi machen lassen (wobei mir schon klar wurde das sie erblindet ist) und los. Der Augeninnendruck lag bei über 70!! (zwischen 10-20 ist normal) Sie bekam sofort drucksenkende Tropfen- im halbstündigen Abstand, dann im einstündigen Abstand. Wie ein Häufchen Elend lag sie den restlichen Tag herum. Gegen abend schien es ihr besser zu gehen. Sie erkundete in ihrer neuen, dunklen Welt den Garten. Mir fiel sofort auf, dass sie erstaunlich gut zurecht kam, sich orientieren konnte. Am nächsten Tag fuhren wir wieder zur Kontrolle in die Klinik. Augeninnendruck bei 12-15. Juchhuuu!! Die Tropfen wurden reduziert, am Montag sollte ich wieder kommen. Wir verlebten ein schönes Wochenende an dem Aiko keinerlei Schmerzen zeigte. Dass sie blind ist, an der Tatsache hatte sich jedoch leider nichts geändert. Nun gut, vielleicht wird es ja noch besser.

Montag morgen: wieder Kontrolle. Bevor wir losfuhren kniff Aiko schon wieder das Auge zu. Ich ahnte nichts gutes. Meine Befürchtung bestätigte sich. Der Druck war bei über 40. Also wieder das volle Tropfenprogramm. Diesmal wurde es gegen abend jedoch nicht besser. Also nochmal in der Klinik angerufen- Hund hat Schmerzen, ich tropfe wie eine wahnsinnige, was soll ich machen?? Sie bekam zusätzlich zum Schmerzmittel noch Novalgin, ich sollte weiter tropfen und mich am nächsten Tag melden. Es wurde leider nicht besser. Die Medikamente schlugen nicht mehr an, wir bekamen den Druck nicht gesenkt. Im Laufe des abends haben wir uns als Familie dann zusammen gesetzt und beratschlagt was wir tun, wie es mit/für Aiko weiter gehen soll/kann. Ich wollte sie nicht aufgeben! Sie zeigte mir seit 4 Tagen das sie auch blind zurecht kommt, war fröhlich wie immer an den schmerzfreien Tagen. Meine Eltern sahen es kritischer, sahen auch die Arbeit die ein blinder Hund mehr verursacht, die Betreuung, das Leben im Rudel was auf lange Sicht nicht mehr geht da es viel zu gefährlich für Aiko ist. Ich blieb jedoch standhaft, argumentierte dagegen, informierte was ich über andere blinde Hunde gelesen habe, rief in Erinnerung wie fit und gesund Aiko ansonsten ist. Ich wollte sie nicht aufgeben solange sie selbst es nicht tut- aber ich brauche Hilfe. Mit 1,5 Jahre altem Kleinkind, der Zucht, regelmässig Welpen UND blindem Hund ist der Alltag alleine sehr kräftezehrend. So entschlossen wir uns Aiko nicht aufzugeben, ihr die 2. Augenentfernung und damit ein hoffentlich für immer schmerzfreies Leben zu ermöglichen. Erneuter Anruf in der Tierklinik am Dienstag. Gespräch mit der behandelnden Ärztin- OP Termin zur Augenentfernung am darauffolgenden Tag um 13.30h, am 15.5.13- einen Tag vor Aiko´s 8. Geburtstag.

So fuhr ich dann allein mit ihr in die Klinik. Meine Tochter blieb bei Oma und Opa und ich konnte mich ganz um Aiko kümmern. Die OP verlief gut und war bereits nach 30 Minuten überstanden. Da Aiko schonmal in Narkose lag wurde ihr ein wahrscheinlich demnächst Probleme machender Backenzahn entfernt, um ihr eine weitere Narkose zu ersparen. Schöne, weisse Zähne hat sie nun auch :o). Nachdem ich mit Aiko auf dem Schoß noch 45 Minuten in der Klinik zur Beobachtung blieb, fuhren wir gegen 15.30h wieder nach Hause. Bis zum späten abend ging es Aiko leider gar nicht gut. Sie hatte arg mit ihrer Halskrause zu kämpfen, die ich ihr diesmal nicht ersparen konnte. Ausserdem zwickt und schmerzt scheinbar der Tupfer der für 2 Tage über die Wunde genäht ist. Nachdem ich ihr erneut Novalgin gab wurde sie ruhiger. Nachdem sie dann um 23.30h auch endlich etwas getrunken hatte wurde sie entspannter. Die Nacht lief bis auf ihre Wanderungen durch die Wohnung (und das damit verbundene Anecken mit der blöden Halskrause) gut.

Kuscheln nach der OP

Heute, einen Tag nach der OP war ich morgens direkt wieder mit ihr spazieren. Zwar nur 15 min.- aber egal. Aiko fühlt sich durch die Halskrause nach wie vor sehr eingeschränkt. Aber es geht leider nicht anders. Die Gefahr das sie sich kratzt und mit den Krallen am angenähten Tupfer hängen bleibt kann und will ich nicht eingehen. Ausserdem kann sie sich so frei in Haus und Garten bewegen und ich muss nicht bei jedem Schritt aufpassen dass sie an die Wunde geht. So störend es ja sein mag, aber die Krause schützt die Wunde/den Kopf zudem vor Zusammenstössen.

Morgen nachmittag wird der Tupfer entfernt. Das wird Aiko´s Wohlbefinden einen großen Schritt nach vorne bringen.

Ich hoffe sehr, dass Aiko auch weiterhin mit ihrem neuen Leben so gut klar kommt, den Lebenswillen und ihre Lebensfreude nicht verliert! Über ihr weiteres Leben werde ich berichten.

Ein blinder Hund ist noch lange kein Grund ihn einzuschläfern. Wer meint es sei Tierquälerei, der hat wohl noch nie einen blinden Hund erlebt. Nicht ICH entscheide ob sie eingeschläfert wird. Das entscheidet SIE ganz alleine. Und solange sie mir so deutlich zeigt was für eine Kämpferin sie ist, werde ich mit ihr kämpfen!

Heute ist Aiko´s Geburtstag. Während ich so neben ihr sitze wünsche ich mir für sie nichts mehr, als weitere 8 schöne Jahre, die nun jedoch endlich schmerzfrei bleiben!!

Happy birthday meine kleine Kämpferin! :-*